Ökologische Folgen

Welche Auswirkungen hat Plastik auf einzelne Tier- und Pflanzenarten?

Plastikmüll kann Lebewesen im Meer oder in Gewässern ganz unterschiedlich treffen. In dieser ESKP-Bildergalerie werden für einige, funktional wichtige Tier- und Pflanzenarten die ökologischen Folgen beschrieben.

Systematisch untersuchen Forscher vor allem: Welche Folgen hat die Verstrickung von Lebewesen in Müll? Wie läuft die Besiedlung von Müll ab und welche Konsequenzen hat diese? In welchen Mengen und mit welchen Folgen wird Plastik verzehrt? Die Interaktionen zwischen Lebewesen, Organismen und Plastikmüll sind sehr vielfältig. Zahlreiche Vogel- und Haiarten testen Plastik auf Verzehrbarkeit. Manche Arten verwechseln Nahrung und Plastik und das Plastik gelangt unbeabsichtigt in ihre Mägen. Forschungen zeigen, dass im Meer treibender Müll den Geruch von Algen annimmt. Dieser Geruch animiert Seevögel zum Verzehr. Auch Fische, Meeressäuger, Schildkröten und Wirbellose nehmen Plastik auf. Mechanisch und enzymatisch kann es in den Mägen in kleinere Fragmente zerteilt werden. Einige Tiere wie Asseln oder die Große Strandschnecke haben Filter in ihren Verdauungsapparaten und scheiden Plastik zum Teil wieder aus.

Das Forschungs- und Trainingsprogramm GAME (Globaler Ansatz durch Modulare Experimente) des GEOMAR vernetzt junge Meereswissenschaftler weltweit. Im Programm führen sie identische Experimente in den verschiedenen Ländern durch. Bisher kooperiert GAME mit 35 Meeresforschungsinstituten auf fünf Kontinenten in 26 Ländern. Wissenschaftlicher Koordinator ist Dr. Mark Lenz. Im Jahr 2016 beispielsweise untersuchten die jungen Forscher wie Mikroplastik (1-50 µm) in Verbindung mit hohen Temperaturen, filtrierende Organismen wie Austern oder Muscheln beeinflusst. GAME hat sich im Rahmen von drei Projekten mit den Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Benthosorganismen wie Muscheln und Würmern beschäftigt. Diese Tiere stehen an der Basis von Nahrungsnetzen und erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen. Aus dem Wissen um die möglichen Folgen lässt sich dann auch ableiten, inwieweit marines Mikroplastik als Umweltproblem Monitoring- und Managementmaßnahmen erfordert.

Quellen

  • Knowlton, A. R., Hamilton, P. K., Marx, M. K., Pettis, H. M. & Kraus, S. D. (2012). Monitoring North Atlantic right whale Eubalaena glacialis entanglement rates: a 30 year retrospective. Marine Ecology Progress Series, 466, 293-302. doi:10.3354/meps09923
  • Rist, S., Assidqi, K., Zamani, N., Appel, D., Perschke, M., Huhn, M. & Lenz, M. (2016). Suspended micro-sized PVC particles impair the performance and decrease survival in the Asian green mussel Perna viridisMarine Pollution Bulletin, 111(1-2), 213-220. doi:10.1016/j.marpolbul.2016.07.006
  • Savoca M. S., Slager, C. J. (2017). Odours from marine plastic debris induce food search behaviours in a forage fish. Proceedings of the Royal Society B, 284(1860):20171000. doi:10.1098/rspb.2017.1000
  • Savoca M. S., Wohlfeil, M. E., Ebeler, S. E. & Nevitt, G. A. (2016). Marine plastic debris emits a keystone infochemical for olfactory foraging seabirds. Vol. 2, no. 11. Science Advances, 2(11):e1600395. doi:10.1126/sciadv.1600395

Weiterführende Informationen

Mikroplastik könnte an der Basis der Nahrungskette ansetzen: Wie gut sind die Nachweismethoden und wie relevant die ökologischen Folgen für Tiere und Pflanzen?

Interview mit Dr. Mark Lenz zu den ökologischen Folgen.

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